MENÜ

CD "Chaplin´s Secret": Pressestimmen

Good Times, Februar / März 2019

»Charlie Chaplin erweist sie mit dessen Komposition ›Swing Little Girl‹ ihre Referenz, wobei dessen ungeklärte Herkunft die Antriebsfeder für den Albumtitel war. Eine starke Platte, die viel musikalisches Selbstbewusstsein ausstrahlt.«


28. Dezember 2018
nrd.de, Jazz-Album der Woche, vorgestellt von Michael Laages

Daheim in der Sprache

Vielleicht ist dies ja das europäischste aller Völker - nicht an Nationen gebunden und die kulturellen und sozialen Grenzen zwischen ihnen, sondern nur an sich selbst und die eigene Sprache. Die ist das eigentliche Zuhause. Dotschy Reinhardt, als "Michaela" 1975 in Ravensburg geboren, ist Sinteza und gehört zu jenem immer wieder ausgegrenzten Volk der Sinti und Roma. Sie hat gerade das vierte eigene Album vorgelegt und beschwört darin natürlich auch die Überlebenskraft, die die Musik des großen Verwandten Django in aller Welt ausstrahlt.

Das Django-Bewusstsein

Dotschy Reinhardt schreibt aber auch Bücher über die Geschichte der Kultur von Roma und Sinti. Darüber hinaus ist sie heute in Berlin politisch aktiv in eigener kultureller Sache. Als Sängerin holt sie auch Romanes als Sprache ins Bewusstsein des Publikums zurück und beschreibt zugleich den weltumspannenden musikalischen Raum, den Djangos swingende Musik eröffnen kann. Zum Beispiel in einer Komposition von Djavan, einer der populären Ikonen der "Musica Popular Brasileira". Das "Great American Songbook" nutzt Dotschy Reinhardt, und sie spürt der erstaunlichen Geschichte nach, die dem Album den Titel gibt. Anfang der 90er Jahre wurde ein Brief aus dem Nachlass von Charlie Chaplin publik, der die Verwurzelung auch dieses weltberühmten Komikers und Kino-Künstlers in der Welt reisender Zirkus-Artisten nahelegt. Womit auch er eng mit der Tradition der Roma und Sinti verbunden ist. Von Chaplins Geheimnis will Dotschy Reinhardt erzählen auf dieser CD.

Die Spur der Tradition

Das gelingt ihr mit einem ebenfalls sehr internationalen und im Kern europäischen Ensemble. Aus der Ukraine und Sibirien, Schweden und Italien, aber auch aus Israel und Australien stammen die Partner neben den heimisch-deutschen Musikern, die aus der Jazz-Tradition des Europäers Django und gemeinsam mit seiner Nachfahrin den Klang einer großen Geschichte fortschreiben: mit der Sprache als Heimat. Klüger, kreativer und selbstbewusster lässt sich kaum umgehen mit einer so großen Tradition. So kann ein Jazz-Jahr für Europa beginnen!


26. Dezember 2018
WEGOTMUSIC.de, written by Herbert

Dotschy Reinhardt verbeugt sich vor Charlie Chaplin

Sie trägt einen berühmten Namen und gilt als eines der großen Talente des deutschen Jazz: Dotschy Reinhardt, Nachfahrin des legendären Gitarristen Django Reinhardt. Er kreierte den so genannten Gipsy-Jazz. Dotschy Reinhardt hat sich von ihm inspirieren lassen und ihre eigene Version davon geschaffen.

Dotschy Reinhardt (44) ist Sängerin, Autorin und Landesvorsitzende der Sinti und Roma in Berlin, wo sie lebt. Trotzdem kehrt sie regelmäßig in ihre Heimatstadt Ravensburg zurück, besucht ihre Familie. Diese hat schon etliche berühmte Musiker hervorgebracht. Als Kind sprach Dotschy Reinhardt nur Romanes, die Sprache der Sinti und Roma. Ihre Musik fusioniert traditionellen Jazz, den lebhaften Gipsy-Swing im Stil des Hotclub de France, Bossa-Einflüsse und auch Elemente der populären Singer-Songwriter Bewegung. Als Sängerin gilt Dotschy Reinhardt inzwischen als Rising Star in der deutschen Szene. Jetzt gibt es ein neues Album von ihr mit dem Titel „Chaplins’ Secret“. Darauf zu hören ist eine Komposition von Charlie Chaplin. Der Song „Swing Little Girl“ sei „so zauberhaft und wurde noch nie so richtig vorgestellt in einer vokalen Version“, betonte Reinhardt.

Für das Album hat sie auch einen Song auf Romanes aufgenommen, in der Sprache der Sinti und Roma. Es sei ein schöner Nebeneffekt, dass mit der Musik diese Kultur bekannter gemacht und die Menschenrechte thematisiert würden. Der Name ihres Albums soll auf die sagenumwobene Geschichte hindeuten, die Anfang der 90er-Jahre von den englischen Zeitungen thematisiert wurde. Demnach gab es einen Brief von einem Rom an Charlie Chaplin. Diesen Brief soll Chaplin bis zu seinem Tod in seinem Schreibtisch aufbewahrt haben.

Der Inhalt thematisiert seine Herkunft, erklärte Dotschy Reinhardt: „Der Rom hat geschrieben, ich weiß, wo du wirklich geboren worden bist, nämlich in einem Wohnwagen der Gipsy Queen nahe Birmingham. Dieser Brief wurde von seiner Tochter nach dem Ableben Chaplins gefunden. So kam es an die Öffentlichkeit, dass Charlie Chaplin angeblich Sinti- oder Roma-Wurzeln haben soll.“ Daneben gibt es mehrere Eigenkompositionen und Stücke von Django Reinhardt („Django’s Tiger“), John Pizzarelli („Da Vinci’s Eyes“) und Djavan („Carnaval No Rio“). Eine rundum gelungene Produktion.

Dotschy Reinhardt: „Chaplin’s Secret“ ist auf dem Label Galileo erschienen.


13. Dezember 2018
Deutschlandfunk Kultur, Gespräch mit Mathias Mauersberger

Chaplins geheime Herkunft

Anfang der 90er-Jahre wurde in englischen Zeitungen thematisiert, dass Charlie Chaplin eigentlich ein Sinti oder Roma sei. Chaplin verschwieg dies bis zu seinem Tod. Das macht Dotschy Reinhardt jetzt zum Thema auf ihrem neuen Studioalbum „Chaplin's Secret“.
Der Name ihres Albums soll auf die sagenumwobene Geschichte hindeuten, die Anfang der 90er-Jahre von den englischen Zeitungen thematisiert wurde. Demnach gab es einen Brief von einem Rom an Charlie Chaplin. Diesen Brief soll Chaplin bis zu seinem Tod in seinem Schreibtisch aufbewahrt haben. Der Inhalt thematisiert seine Herkunft, erklärte Dotschy Reinhardt:
„Der Rom hat geschrieben, ich weiß, wo du wirklich geboren worden bist, nämlich in einem Wohnwagen der Gipsy Queen nahe Birmingham. Dieser Brief wurde von seiner Tochter nach dem Ableben Chaplins gefunden. So kam es an die Öffentlichkeit, dass Charlie Chaplin angeblich Sinti- oder Roma-Wurzeln haben soll.“

Wollte Chaplin aus Angst seine Herkunft geheim gehalten?

Sie sei auf diese Geschichte gestoßen, weil sie sich intensiv mit Chaplin beschäftigt habe, sagte die 44-jährige Musikerin:
„Er war nicht nur ein großartiger Filmkünstler, sondern auch Musiker und Komponist. Ich bin über die Geschichte gestolpert. Ich dachte, ja, er hat diesen Brief als Geheimnis aufbewahrt. Versuchen nicht auch heute noch Menschen, ihre Herkunft geheim zu halten für die Öffentlichkeit, weil sie Angst haben, irgendwelche Nachteile davon zu tragen?“
Auch auf ihrem neuen Album ist ein Stück von Charlie Chaplin zu hören: „Swing Little Girl“ sei „so zauberhaft und wurde noch nie so richtig vorgestellt in einer vokalen Version“, betonte Reinhardt.

Ein starkes Zeichen gegen den Antiziganismus

Für die Platte hat sie auch einen Song auf Romanes aufgenommen, in der Sprache der Sinti und Roma. Es sei ein schöner Nebeneffekt, dass mit der Musik diese Kultur bekannter gemacht und die Menschenrechte thematisiert würden.
Reinhardt schränkte jedoch ein: „Andererseits kann die Kultur und Musik natürlich nicht die politische Situation und den Antiziganismus bekämpfen, da brauchen wir schon tatkräftige und mutige Entscheidungen der Zivilgesellschaft im Alltag, aber auch von der Politik.“