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Daniel Karlsson Trio - Fuse Number Eleven

Fuse Number Eleven

(Playgrounds Music Scandinavia)

„Fuse Number Eleven“ erschien im November 2019 beim renommierten Label Playgrounds Music Scandinavia. Weniger ist hier mehr: Elegant, reduziert und mitunter leise experimentell klingt das Trio auf seiner sechsten CD. Karlsson und seine hochkarätigen Mitstreiter wagen sich mit kluger Eleganz in die Grenzlande vor, wo sich klassischer Jazz vorsichtig an Klassik, Elektronik und indische Weltmusik annähert. Dass sich die Musiker teils bereits aus Studientagen kennen, ist unüberhörbar. Ebenso wie die Tatsache, dass sich das Trio keineswegs auf den bisher errungenen Lorbeeren ausruhen will, sondern offen für Neues bleibt.
Das unberechenbare »Walk On Earth« überrascht mit kreativer Gruselmusik und unerwarteten elektronischen Störgeräuschen und könnte durchaus den Soundtrack für einen intelligenten Horrorfilm bilden. Das souverän gelassene »1900« dagegen feiert die ruhige Schönheit und flirtet gekonnt mit sanften Elektroniksounds.


Internationale Pressestimmen




Süddeutsche Zeitung, 27.02.2020
Von Ralf Dombrowski

Gruppenenergie

Pianist Daniel Karlsson und sein Trio im Night Club

Seine Schultern erzählen die Geschichte. Sie ziehen sich zusammen, wenn Daniel Karlsson in sich hineinhört, bilden mit den Händen am Klavier und dem nach vorne gesenkten Kopf ein Oval, eine in sich geschlossene Form, wenn die Klanglinien feine, persönliche Motive andeuten. Dann, in Phasen der pianistischen Eruption, wenn die Töne nur so perlen und sich stellenweise zu wuchtigen Kaskaden aufhäufen, öfnen sie sich nach oben, bilden asymmetrische Formen, nie ganz ofen, stets ein wenig kontrolliert, als wolle der schwedische Pianist zwar sein Publikum im Bayerischen Hof an den Ideen und Assoziationen teilhaben lassen, zugleich aber immer ein Stück für sich behalten.

Das wiederum passt zum Gesamteindruck, den er und sein Trio vermitteln. Denn das Programm, vor allem in der zweiten Hälfte des Konzertes, ist ein sich über lange Stecken entwickelndes Wechselspiel der Stimmungen und wirkt wie ein an einzelnen vorüberlegten Elementen sich entfaltender Musikstrom mit wechselnden Zuständen gestalterischer Freiheit. Auf der einen Seite stehen klare, eingängige Melodien, die Karlsson selbst sogar gelegentlich mitpfeift und womit er in hörbarer Vertrautheit die Basis der Kommunikation mit dem Bassisten Christian Spering und dem Schlagzeuger Fredrik Rundquist als Höranker schaft.

Er spielt gerne mit weiten Hallräumen, kleinen kosmetischen Efekten, die den Naturklang des Klaviers verfremden, doppeln, im Echo irisieren lassen und liebt dabei vor allem die Herausforderung, auf das stellenweise vehemente rhythmische Geflecht der anderen zu reagieren. Dann aber kippen die suitenartig kombinierten Stücke in ausladende Improvisationen, die, von der Gruppenenergie getragen, hypnotische Momente erreichen. Karlssons Kunst ist dabei nicht stilbrechend, sondern verbleibt innerhalb des harmonisch- melodisch Tonalen. Aber sie ist sein Ding. Es sind seine Geschichten, die er mit inwendiger Kraft erzählt und manchmal mit einem Lächeln krönt.


Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.02.2020


Passauer Neue Presse, 27.01.2020

Das Mantra vornehmer Schweden

Daniel Karlsson-Trio verzückt im ausverkauften Café Museum

Wenn drei musikalische Könner auf der Bühne gemeinsam zu meditieren scheinen, in ihren Instrumenten versinken wie Comic-Pianist Schroeder bei den Peanuts, dann zelebriert das Daniel Karlsson-Trio seine ganz eigene und wunderschöne Jazz-Klangwelt. Die Schweden füllten mit ihrem Gig am Freitag mühelos das Café Museum.
Mühelos ist zugleich ein Stichwort, um den kompositorischen, dramaturgischen und wendungsreichen Ausdruck von Ausnahmepianist und Frontmann Karlsson zu markieren. Ein Hauch Folklore weht mit hinein in die hier dramatischen, dort pop-blumigen Melodien, die plötzlich noch minimalistischer, zarter oder aber krass härter, rhythmischer, funkiger werden können. Manche Stücke boten, stets ohne Notenblatt, mit Karlsson Kontrabassist Christian Spering, der die Saiten zu Gitarrenklang zu verkürzen versteht, und der zartfeine, phantasievolle Schlagzeuger und Perkussionist Fredrik Rundqvist nahtlos aneinandergereiht. Zwischen anderen schlug der Pianist, der zuweilen auch elektronische Effekte beisteuerte, eine Klangbrücke oder übernahm die Moderation.
Gleich drauf meditieren sie schon wieder virtuosest, alle nach demselben verinnerlichten Mantra, mitunter in drei unterschiedlichen Modi, diese einnehmenden, vornehmen Schweden. Und dieses Mantra ist kraftvoll, oft fließend, aber schon auch getupft, pfiffig, verträumt, bassseitig mal gezupft, mal gestrichen, kurvig und abholend zugleich, eingängig. EinWohlfühl-Abend auf enorm hohem Niveau.
Christine Pierach