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Brian Auger: Pressestimmen

Der Tagesspiegel 18. 7. 2009:

Das Fauchen der Hammondorgel
Jazz- und Pop-Pionier Brian Auger wird 70
- ein Überblick über sein Leben.

von Christian Schröder

Ein Song wie ein Prankenhieb: „Tiger“. Die Bläser pumpen, sirenenhaft sirren die Gitarren, der Sänger droht: „Tiger – I’m coming for you / I’m gonna take you / Baby – I’m gonna bring you to silence.“ Es geht um einen Großwildjäger auf der Pirsch, sein Dschungel sind die Bars und Clubs im Swinging London der Mod-Ära. Seine Opfer: Girls.

Brian AugerBrian Auger

Doch die Leadstimme in diesem Kampf der Geschlechter gehört der Hammond B3-Orgel. Sie faucht, knurrt und kreischt tatsächlich wie eine Großkatze. „Tiger“, 1967 von Brian Auger und seiner Band Trinity veröffentlicht, verbindet die Aggressivität des Beat mit der Coolness des Jazz. Der Song klingt wild und gefährlich, vor allem aber ist er wahnsinnig gut gespielt.

Brian Auger, der heute seinen 70. Geburtstag feiert, gehört zu den stilprägenden Virtuosen seines Instruments. „Er ist einer der besten Hammond-B3-Künstler, die ich in meinem Leben gehört habe“, so lobt ihn der Kollege Herbie Hancock. „Seine Technik ist außergewöhnlich, die Energie, die er freisetzt, ist ohne Parallelen und gnadenlos.“ Auger begann als Jazzer, wurde zum Mod und dann zum Pionier des europäischen Jazzrock.

Gerade erlebt er so etwas wie seine dritte oder vierte Renaissance. DJs und HipHopper sampeln Augers klassische Hammond-Aufnahmen, seine Alben erscheinen in aufwändigen CD-Editionen, Filmregisseure bedienen sich in seinem Werk. „Tiger“ war zuletzt die passende Untermalung für das deutsch-kolumbianische Drogendrama „Dr. Aleman“. Und „Road To Cairo“, die enigmatische Hippie-Hymne der Trinity, von Julie Driscoll so glockenklar wie entrückt gesungen, tauchte gleich in zwei Soundtracks auf: in Ridley Scotts Agententhriller „Der Mann, der niemals lebte“ und in Christian Petzolds Schauergeschichte „Yella“. Dort ist „Road To Cairo“ der einzige Song im ganzen Film, er wird immer wieder angespielt, die psychedelische Ballade beschreibt einen Trip, der ins eigene Ich und am Ende buchstäblich in den Untergang führt. „I’ve been travellin’ / Gone a long long time / Don’t know what I’ll find / Scared of what I’ll find.“

Brian Auger und Julie Driscoll waren eines der glamourösesten Paare im Swinging London der sechziger Jahre. Sie trug bauschige Orienthosen, übergroße Gürtelschnallen und raspelkurzes Haar, er gab – zu sehen in einem großartigen „Road To Cairo“-Fernsehauftritt bei Youtube – den Pilzkopf-Irren an der Orgel. Auger war vom Londoner Trinity Music College geflogen, weil den Lehrern sein Pianospiel als „zu unorthodox“ galt. Stattdessen entdeckte er die Platten von Jimmy Smith, der amerikanische Post-Cooljazz wurde zu seiner wichtigsten Inspiration. Die Yardbirds holten ihn für „For Your Love“ ins Studio, weil er dort keine Orgel fand, improvisierte er auf dem Cembalo. Mit Julie Driscoll, Rod Stewart und Long John Baldry gründete er die Blues-Supergroup Steampacket, daraus ging die Brian Auger Trinity hervor. Der Hit „This Wheel’s On Fire“ brachte das Trio weltweit an die Spitze der Charts.

Der Oblivion Express, Brian Augers Jazzrock-Formation, ist seit 1970 unterwegs. Zur aktuellen Besetzung gehören sein Sohn Karma am Schlagzeug und Tochter Savannah Grace als Sängerin. Sie geben unermüdlich Konzerte. Die Road ist weit, der Trip hört niemals auf.
Christian Schröder


Stuttgarter Nachrichten 23.07.2009:

Jazz Open
Brian Auger und Marianne Faithfull

von Armin Friedl

Stuttgart - An diesem Wochenende hat der Jazz-, Soul- und Funk-Organist Brian Auger seinen 70. Geburtstag gefeiert, doch von seinem Biss früherer Tage hat er nichts verloren. Äußerst angespannt wie eine Raubkatze kurz vor dem Sprung kommen nach wie vor seine Läufe, unerschöpflich seine improvisatorischen Ideen, wie er jetzt am Mittwochabend bei den Jazz Open in der Landesmesse bewies.

Mit seiner wiederauferstandenen Gruppe Oblivion Express machte er einen Ausflug in die 1960er und 1970er Jahre, der erstaunlich wenig nostalgisch daherkam. Vorne dran war seine Tochter Savannah, die in Stücken wie „Indian Rope Man“ oder „Season Of The Whitch“ durchaus einiges raues Timbre und Soulgefühl vorführte, die aber vor allem mit ihrem jugendlichen Schmelz gefiel. Immerhin konnte so Augers Version „Light My Fire“ um einige Spielvarianten bereichert werden. Im Herbst will Auger wieder in die Gegend kommen und ist noch auf der Suche nach Clubauftritten, diese Combo mit Sohn Karma am Schlagzeug und Andreas Geck am Bass wird sich wohl kaum jemand entgehen lassen.

Timbre im Überfluss hatte dagegen Marianne Faithfull im Anschluss daran. …

 

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